Glaubenssätze
Von João Heep, Business-Coach für Coaches, Trainer und Berater, ehemals Trainer und Coach beim bekanntesten Speaker-Trainer im deutschsprachigen Raum
Kurz erklärt
Glaubenssätze sind feste Überzeugungen über dich selbst, andere Menschen und die Welt. Sie laufen meist unbemerkt im Hintergrund und entscheiden mit, was du dir zutraust, was du verlangst und was du gar nicht erst versuchst. In der Psychologie heißen sie Grundannahmen oder Überzeugungen.
Was die Forschung sagt
Die Idee stammt aus der kognitiven Therapie nach Aaron Beck. Sein Kernsatz: Überzeugungen und Erwartungen beeinflussen stark, wie es einem Menschen geht und wie er handelt. Beck beschrieb auch, dass Menschen gleichzeitig an widersprüchliche Dinge glauben können. Du kannst wissen, dass eine Angst unbegründet ist, und sie trotzdem spüren [1].
Die Methode, Glaubenssätze zu prüfen und zu verändern, heißt kognitive Umstrukturierung. Eine Meta-Analyse fand einen deutlichen Zusammenhang zwischen gelungener Umstrukturierung in der Sitzung und dem späteren Ergebnis. Die Datenbasis ist mit vier Studien aber noch klein [2].
Eine Übersicht über 162 Studien zur Rational-Emotiven Verhaltenstherapie fand fast durchweg weniger irrationale und mehr hilfreiche Überzeugungen nach der Intervention. Am besten wirkten Programme, die von ausgebildeten Fachleuten geleitet wurden, einem klaren Ablauf folgten und länger dauerten. Die Qualität vieler Studien war allerdings gering [3].
Interessant für die Praxis: In einem Experiment veränderten sich hinderliche Überzeugungen etwas stärker, wenn Teilnehmende zusätzlich zur Reflexion bestimmte Körperhaltungen und Bewegungen einnahmen. Der Effekt war klein [4].
Es gibt auch Kritik. Ein Philosoph argumentiert, dass unsere Überzeugungen nicht als ein geordnetes System vorliegen, sondern zersplittert. Ein Satz kann sich im Kopf ändern und im Alltag trotzdem weiterwirken [5]. Das deckt sich mit dem, was viele Coaches erleben.
Woran du es als Coach merkst
Typische Glaubenssätze, die ich im Erstgespräch höre:
- "Wer bin ich, dass ich so viel verlange?"
- "Ich bin Coach, kein Verkäufer."
- "Erst brauche ich noch die nächste Ausbildung."
- "Wenn ich mehr Kunden nehme, leidet die Qualität."
- "Geld verdienen und Menschen helfen passt nicht zusammen."
Jeder dieser Sätze klingt vernünftig. Jeder davon kostet dich Umsatz.
Was hilft
Belegt ist ein Ablauf in Schritten, oft als ABCDE beschrieben [6]:
- A wie Auslöser: Was ist passiert? Zum Beispiel: Ein Interessent fragt nach dem Preis.
- B wie Bewertung: Welcher Satz läuft in deinem Kopf? "Das ist ihm zu teuer."
- C wie Konsequenz: Was fühlst und tust du? Du nennst einen Rabatt, bevor er fragt.
- D wie Prüfen: Stimmt der Satz? Welche Belege sprechen dagegen?
- E wie Ergebnis: Welcher Satz ist genauer, und was tust du beim nächsten Mal?
Meine Erfahrung: Ein Glaubenssatz ändert sich selten durch Nachdenken allein. Er ändert sich, wenn du etwas tust, das ihm widerspricht, und erlebst, dass es gut ausgeht. Deshalb bauen wir im Programm die Handlung gleich mit ein: den neuen Preis, das erste Gespräch, die erste Bühne.
Was es nicht ist
- Kein Affirmations-Trick. Einen negativen Satz durch einen positiven Spruch zu ersetzen, ist etwas anderes als ihn zu prüfen.
- Keine Schuldfrage. Glaubenssätze sind oft früh gelernt und hatten damals einen Sinn.
Häufige Fragen
Kann man Glaubenssätze auflösen?
Man kann sie prüfen und verändern. Studien zeigen messbare Veränderungen, vor allem mit klarem Ablauf und Begleitung [3].
Was sind Beispiele für negative Glaubenssätze?
"Ich bin nicht gut genug." "Ich darf keine Fehler machen." "Wer viel verlangt, ist gierig."
Helfen positive Glaubenssätze?
Sie helfen, wenn sie stimmen und du sie belegen kannst. Ein Satz, den du selbst nicht glaubst, wirkt kaum.
Quellen
- Beck, A. (2016). Cognitive Therapy: Nature and Relation to Behavior Therapy. Republished Article. Behavior Therapy. DOI: 10.1016/j.beth.2016.11.003
- Ezawa, I. D. et al. (2023). Cognitive Restructuring and Psychotherapy Outcome: A Meta-Analytic Review. Psychotherapy. DOI: 10.1037/pst0000474
- King, A. M. et al. (2024). A systematic review of the nature and efficacy of Rational Emotive Behaviour Therapy interventions. PLOS ONE. DOI: 10.1371/journal.pone.0306835
- O'Toole, M. S. et al. (2024). Embodied cognitive restructuring: The impact of posture and movement on changing dysfunctional attitudes. Journal of Behavior Therapy and Experimental Psychiatry. DOI: 10.1016/j.jbtep.2024.101955
- Grodniewicz, J. P. (2024). Belief revision in psychotherapy. Synthese. DOI: 10.1007/s11229-024-04523-0
- Serafini, G. et al. (2022). Overall goal of Cognitive-Behavioral Therapy in Major Psychiatric Disorders and Suicidality: A Narrative Review. The Medical Clinics of North America. DOI: 10.1016/j.mcna.2022.05.006
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