WIRKEN.

Selbstwirksamkeit

Von João Heep, Business-Coach für Coaches, Trainer und Berater, ehemals Trainer und Coach beim bekanntesten Speaker-Trainer im deutschsprachigen Raum

Kurz erklärt

Selbstwirksamkeit ist die Überzeugung, eine bestimmte Aufgabe in einer bestimmten Situation selbst bewältigen zu können. Der Begriff stammt vom Psychologen Albert Bandura (1977). Es geht nicht um allgemeines Selbstvertrauen, sondern um ein konkretes "Das kann ich": ein Verkaufsgespräch führen, einen Preis nennen, auf einer Bühne sprechen.

Was die Forschung sagt

Eine klassische Meta-Analyse mit 114 Studien und über 21.000 Personen fand einen deutlichen Zusammenhang zwischen Selbstwirksamkeit und Arbeitsleistung [1].

Bei Unternehmern zeigt sich Ähnliches: Eine Meta-Analyse über 26 Studien mit gut 5.000 Firmen fand einen mittleren Zusammenhang zwischen unternehmerischer Selbstwirksamkeit und dem Erfolg der Firma [2].

Zwei Einschränkungen sind wichtig. Rechnet man Persönlichkeit, Intelligenz und Erfahrung heraus, wird der Beitrag der Selbstwirksamkeit kleiner [3]. Und eine Analyse über viele Messzeitpunkte zeigt: Selbstwirksamkeit ist vor allem eine Folge von früheren Erfolgen. Sie treibt die nächste Leistung weniger stark an, als man denkt [4].

Bandura beschrieb vier Quellen, aus denen Selbstwirksamkeit entsteht: eigene Erfolgserlebnisse, Vorbilder, Zuspruch und der Körperzustand. Eine Meta-Analyse fand, dass eigene Erfolgserlebnisse mit Abstand am stärksten wirken [5]. Auch Trainingsprogramme, die gezielt Erfolgserlebnisse schaffen, steigern die Selbstwirksamkeit messbar [6].

Woran du es als Coach merkst

Selbstwirksamkeit ist bereichsspezifisch. Du kannst im Coaching sehr sicher sein und beim Verkaufen gar nicht. Das ist normal.

Was hilft

Aus der Forschung folgt eine klare Reihenfolge: zuerst handeln, dann wächst das Zutrauen [4][5].

  1. Kleine Erfolge planen. Nicht gleich der große Launch, sondern ein Gespräch, ein Angebot, ein Preis.
  2. Erfolge festhalten. Ein Erfolg, den du nicht bemerkst, zählt für den Kopf nicht.
  3. Vorbilder nah wählen. Ein Coach, der vor zwei Jahren da stand, wo du heute stehst, wirkt stärker als ein Star.
  4. Zuspruch mit Belegen. "Du schaffst das" wirkt wenig. "Du hast letzten Monat drei Kunden gewonnen" wirkt mehr.

Meine Erfahrung: Deshalb gehen Coaches aus dem Erstgespräch mit einem ersten Schritt raus, der in einer Woche machbar ist. Nicht mit zwanzig Ideen.

Was es nicht ist

Häufige Fragen

Was ist Selbstwirksamkeit nach Bandura?
Die Überzeugung, eine konkrete Aufgabe durch eigenes Handeln bewältigen zu können. Bandura führte den Begriff 1977 ein.

Was ist der Unterschied zur Selbstwirksamkeitserwartung?
Im Alltag meinen beide Wörter dasselbe. Selbstwirksamkeitserwartung betont, dass es um eine Erwartung an die Zukunft geht.

Wie stärke ich meine Selbstwirksamkeit?
Am stärksten durch eigene Erfolgserlebnisse in der Aufgabe, um die es geht [5].

Quellen

  1. Stajkovic, A. D. & Luthans, F. (1998). Self-efficacy and work-related performance: A meta-analysis. Psychological Bulletin. DOI: 10.1037/0033-2909.124.2.240
  2. Miao, C. et al. (2017). The Relationship between Entrepreneurial Self-Efficacy and Firm Performance: A Meta-Analysis of Main and Moderator Effects. Journal of Small Business Management. DOI: 10.1111/jsbm.12240
  3. Judge, T. et al. (2007). Self-efficacy and work-related performance: the integral role of individual differences. Journal of Applied Psychology. DOI: 10.1037/0021-9010.92.1.107
  4. Sitzmann, T. & Yeo, G. (2013). A Meta-Analytic Investigation of the Within-Person Self-Efficacy Domain. Personnel Psychology. DOI: 10.1111/peps.12035
  5. Byars-Winston, A. et al. (2017). Unique Effects and Moderators of Effects of Sources on Self-Efficacy: A Model-Based Meta-Analysis. Journal of Counseling Psychology. DOI: 10.1037/cou0000219
  6. Täschner, J. et al. (2024). "Yes, I Can!" A Systematic Review and Meta-Analysis of Intervention Studies Promoting Teacher Self-Efficacy. Review of Educational Research. DOI: 10.3102/00346543231221499

Diese Seite erklärt einen Begriff und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Wenn du merkst, dass dich ein Thema dauerhaft belastet, sprich mit deiner Hausärztin, deinem Hausarzt oder einer Psychotherapeutin.

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